Im falschen Körper geboren

Regula Lehmann

Leiterin Ehe-und Familienprojekte Stiftung Zukunft CH

Die Zahl der Personen, die erklären, sie seien „dem falschen Geschlecht zugeordnet“ worden, nimmt drastisch zu und der Altersdurchschnitt sinkt stetig. Renommierte Fachleute wie beispielsweise der Münchner Kinderpsychiater Alexander Korte warnen vor einem fragwürdigen „Transgender-Hype“. Jedes Jahr mehr Kinder und Teenager werden mit Hormonen behandelt, weil sie sich - so lautet zumindest die Diagnose - in ihrem Körper nicht wohlfühlen. Allein in Zürich stieg die Zahl betroffener Kinder und Jugendlicher in den letzten zehn Jahren von drei bis fünf auf rund hundert Minderjährige jährlich an. Was steckt hinter dem Transgender-Phänomen? Lösen Hormontherapien und Geschlechtsumwandlungen die Probleme betroffener Menschen? Ein Interview mit einer jungen Frau, die sich während 4 Jahren als Mann „ausprobiert“ hat.

Interview

Lisa, Sie haben mit 14 Ihre Haare ganz kurz geschnitten und sich ausserhalb ihres Umfelds während 4 Jahren als Junge/Mann ausgegeben. Was war der Auslöser für dieses „Doppelleben“? 

Ich suchte nach Anerkennung und Bestätigung, nach einem Sinn im Leben. „Warum bin ich hier, warum lebe ich?“ waren Fragen, die mich in dieser Zeit stark beschäftigten. Ich hatte irgendwie schon alles ausprobiert: Drogen, Partys, Alkohol, Beziehungen zu Jungs. Zurück blieben Verletzungen, Leere und ein Gefühl von Sinnlosigkeit. 

 

Mich als Junge auszugeben, war etwas Neues. Zudem hatte ich schon immer Hobbys, die tendenziell Jungs zugeschrieben werden und war als „Raufbold“ bekannt. „Cool, gucken wir mal, was passiert“, war damals meine Devise. Dass plötzlich Mädchen auf mich aufmerksam wurden, fand ich prickelnd. 

 

Gingen Ihre Erwartungen in Erfüllung? 

Spannende Frage. Im ersten Moment, ja! Ich bekam mehr Aufmerksamkeit und erlebte Bestätigung. Aber gleichzeitig empfand ich immer mehr Leere und nahm immer mehr Drogen. Die vielen sexuellen Beziehungen zu Mädchen und Jungen hatten mich innerlich „fertig“ gemacht. 

 

Sie spielten mit dem Gedanken, sich umzubringen. Weshalb?

Ich hatte alles getan, alles ausprobiert, um Sinn zu finden. Im Endeffekt war ich traurig und allein. Nichts gab mir einen Grund, zu leben. Von Menschen war ich so oft enttäuscht und betrogen worden und die Drogen gaben jeweils auch nur einen kurzen Kick. Wozu weitermachen? 

 

Mit 17 Jahren hatten Sie erstmals Kontakt mit dem Verein „Zukunft für Dich“ und wurden dort herzlich aufgenommen. Eine neue Erfahrung? 

Ja, das war für mich ziemlich krass. Ich hatte niemanden und plötzlich waren Menschen da, die sich wirklich freuten, dass es mich gibt, dass ich da bin. Ohne mich auszunutzen oder etwas von mir zu wollen. 

 

Auf einer Männerfreizeit flog Ihr Doppelleben auf und einer der Leiter forderte Sie auf, die Karten offen auf den Tisch zu legen. Was löste das bei Ihnen aus? 

Ich erwartete, rausgeschmissen zu werden, aber das Gegenteil war der Fall. Man begegnete mir mit Liebe, konkreter Begleitung und viel Ermutigung. Der Zuspruch „Wir schaffen das!“ unterstützte mich dabei, mich auf einen inneren und äusseren Veränderungsprozess einzulassen. 

 

Sie haben sich daraufhin entschieden, wieder ganz als Frau zu leben. War es für Sie schwierig, Ihre Weiblichkeit zu bejahen und sich in Ihrem weiblichen Körper „zu Hause“ zu fühlen? 

Zu Beginn war das sehr herausfordernd. Ich musste das ganze Auftreten neu lernen. Ich war noch nie ein sehr femininer Typ und bin auch heute noch keine „Barbie“. Ich musste es einüben, mich weiblich zu verhalten, wie eine Frau zu gehen. Auf Frauen-Klamotten umzusteigen und mein Haar länger zu tragen, fiel mir anfangs echt schwer. 

 

Doch ich wollte die Person sein und werden, als die ich von Gott geschaffen bin. Ich bin überzeugt, dass vieles Willens- und Gewohnheitssache ist. Ich glaube, dass es möglich ist, sich im Körper, den man hat, wohlzufühlen. Wenn wir innerlich überzeugt sind, dass etwas richtig ist, öffnen sich Wege. Das ist zumindest meine Überzeugung und Erfahrung. Das Vertrauen zu Gott war die Basis, um dranzubleiben und daneben brauchte ich Menschen, die mich darauf hinwiesen, wenn ich in alte Muster zurückfiel. 

 

Worin sehen Sie die Ursachen für die drastische Zunahme von Transgender-Personen? 

Einen der Hauptgründe sehe ich darin, dass es keine Orientierung mehr gibt. Gesellschaft, Medien und Werbung sagen: „Tu, was Du willst, mach einfach das, worauf du gerade Lust hast!“. Alles ist verdreht. Es wird so dargestellt, als ob man locker und ohne Konsequenzen in jede Rolle wechseln kann. Viele Menschen werden von Orientierungslosigkeit und Langeweile angetrieben. Und wenn man Freunde hat, die so leben, passt man sich eben an, macht mit, probiert aus...

 

Und natürlich nimmt es zu, weil es akzeptiert ist. Facebook beispielsweise bietet zig Geschlechter zur Auswahl an. Wenn es überall als normal bezeichnet oder sogar gefördert wird, warum sollte man es nicht ausprobieren? Dieser „Lebensstil des Ausprobierens“ stumpft ab. Zahlreiche Kinder wachsen in einem Durcheinander auf und das führt zu Verwirrung. Eltern und Kinder haben zerbrochene Herzen, fühlen sich wertlos und ungeliebt. 

 

Die Suizidraten bei Transgender-Personen sind erschreckend hoch. Eine Langzeitstudie mit Transgender-Patienten aus Schweden zeigte beispielsweise, dass die Suizidrate bei diesen 30 Jahre nach der chirurgischen Umwandlung fast 20-mal so hoch war wie in der Allgemeinbevölkerung. Von Interessengruppen wird häufig behauptet, daran sei die gesellschaftliche Diskriminierung schuld. Wie sehen Sie das? 

Ich denke, man muss genau hinschauen, was hier abgeht. Sagen Betroffene die Wahrheit oder das, was den Interessenverbänden nützt? Ich selbst wurde nie schlecht behandelt. Es ist ja heute normal, sich auszuprobieren. Ich glaube, man ist vor allem da verletzlich oder empfindlich, wo man unsicher ist. Wenn ich zu 100% sicher bin, bin ich stark und nicht so leicht fertig zu machen. Bei „Zukunft für Dich“ sind wir oft mit Transen im Gespräch. Eine von ihnen sagte mir: „Ich werde mich nie operieren lassen, denn alle, die das gemacht haben, nahmen sich danach das Leben.“

 

Im Tiefsten ist es bei vielen wohl das Gefühl, „Ich habe mein Leben kaputtgemacht!“, das Depression und Suizidgedanken auslöst. Und die Erkenntnis, dass es gar nicht das ist, wonach man gesucht hat. Im ersten Moment fühlt es sich gut an, aber nach einiger Zeit merkt man, dass es einem doch nicht die erhoffte Erfüllung bringt. 

 

In der Schweiz wurden 2017 an insgesamt 14 Minderjährigen Geschlechtsumwandlungen durchgeführt. Aus unserer Sicht eine bedenkliche Entwicklung. Was brauchen Kinder/Jugendliche, um ein Ja zum eigenen Körper und zu ihrer Geschlechtlichkeit zu finden? 

Sie brauchen Liebe, Anerkennung, Orientierung und ein christliches Verständnis des Menschen als Mann und Frau. Und natürlich Menschen, die Liebe und Anerkennung geben, aber nicht alles akzeptieren oder gutheissen. Aus dem Bedürfnis nach „politischer Korrektheit“ heraus jede Idee oder Absurdität zu bestätigen, dient jungen Menschen nicht. Ich spreche aus, was ich denke und konfrontiere in meiner Arbeit die Teenies auch, wenn ich etwas doof finde. Ich mache nicht jeden Quatsch mit. Homoerotische Gefühle können Teil der Adoleszenz sein, verlieren sich jedoch mit dem Erwachsenenwerden bei den meisten Jugendlichen wieder.  

Zu vermitteln: „Leb alles aus, probiere dich aus!“, ist die falsche Botschaft. Das ist nicht der Sinn des Lebens, das macht leer, kaputt. Ein Leben in vernünftigen Grenzen gibt jungen Menschen Sinn.

Was denken Sie über hormonelle und chirurgische Geschlechtsumwandlungen bei Minderjährigen?

Da bin ich dagegen. In der Pubertät verändert sich alles. Teenager wissen noch nicht, wer sie sind. Sie können Konsequenzen oft noch gar nicht abschätzen und merken erst hinterher, dass das Erhoffte nicht eingetroffen ist. Man hat in diesem Alter noch keine Lebenserfahrung, ist für solche Entscheidungen noch nicht reif genug. Wären Geschlechtsumwandlungen damals erlaubt gewesen, hätte ich das gemacht. Es wäre das Schlimmste gewesen, was ich je getan hätte. Ich kenne eine Frau, die mit 18 Jahren Hormonbehandlungen gemacht hat und das jetzt total bereut. Ihre Stimme klingt wie die eines Mannes und sie leidet unter Bartwuchs. Es belastet sie, dass ihr keiner glaubt, dass sie eine Frau ist und es ist extrem schwierig, das Ganze rückgängig zu machen 

 

Was raten Sie Jugendlichen oder Erwachsenen, die sich in ihrem biologischen Geschlecht nicht wohlfühlen? 

Dass sie sich Unterstützung und Orientierung suchen. Der Mensch muss es selbst wollen und man muss ehrlich sein, insbesondere zu sich selbst. Oft müssen Leute dafür erst mal an den Tiefpunkt kommen. Dann braucht es Menschen, die den Weg zur Veränderung sensibel begleiten und den Hilfesuchenden Anerkennung für ihr biologisches Original geben. Kinder und Teenager wollen immer gefallen. In der Regel sind Anerkennung und Bestätigung das Kernthema, nicht das Geschlecht. Oft haben Übergriffe, Vergewaltigungen und andere Erlebnisse bereits viel Zerstörung angerichtet. Dann geht es darum, diese Themen anzugehen. Trauma-Aufarbeitung, Beratung und Seelsorge sind ein wichtiger Bestandteil des Veränderungsprozesses. Innere Heilung und Versöhnung mit dem biologischen Geschlecht sind möglich - dafür steht meine Geschichte. 

Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Stiftung Zukunft CH. www.zukunft-ch.ch

Ursprünglicher Post: https://www.zukunft-ch.ch/lebensluege-transgender-im-falschen-koerper-geboren/

Zukunft für DICH e.V. ist ein christlicher Verein mit Sitz in Berlin, der sich in den Bereichen Kinder- und Jugendfürsorge, Familienbetreuung, Suchtprävention und Drogentherapie einsetzt. Der vom Verein betriebene Bauernhof bietet Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Gemeinschaft, betreutes Wohnen und Arbeitsintegration an http://www.zukunft-fuer-dich.de

 

Weitere Informationen finden Sie bei www.zukunft-ch.ch.

 

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