Christus: Stütze der Versuchten

 

Der Originaltext dieser Predigt findet sich unter dem Titel „Christ the Support of the Tempted“  bei CCEL.

Die deutschen Bibelstellen folgen der Luther 2017. Bei einigen Allusionen Whitefields an den biblischen Text wurden Fussnoten mit dem Verweis auf die gemeinte Bibelstelle hinzugefügt.

 

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Eine Predigt von George Whitefield

Matthäus 6, 13: „Und führe uns nicht in Versuchung.“

Die grosse und wichtige Pflicht der Christen ist es, sich vor allen Erscheinungen des Bösen zu schützen, auf die ersten Regungen des Bösen im Herzen zu achten und auf unsere Handlungen acht zu geben, damit diese nicht sinnvoll sind oder zu solchen werden. Es ist wahr, dass Satan uns permanent versucht und dass unsere bösen Herzen ständig bereit sind, mit dem Versucher gemeinsame Sache zu machen, um uns in den Sündenfall zu bringen, damit er so über uns den Sieg behält. Damit wir zu seinen Opfern, Dienern und Sklaven werden. Danach wird er uns Stück für Stück unseren Lohn bezahlen: Zunächst den irdischen Tod und später den ewigen Tod. Unser Herr Jesus Christus erkannte, wie sein Volk versucht werden wird und dass der große Feind ihrer Seelen jede mögliche Gelegenheit wahrnehmen wird, um arme Sünder davon abzuhalten, zum Herrn Jesus Christus zu kommen. Er drängt mit Versuchungen auf dich, um dich in irgendeine große Sünde zu stürzen. Kann er immer noch nicht obsiegen, ändert er seine Strategie und passt seine Versuchungen von Zeit zu Zeit an. Funktioniert auch das nicht, verwandelt er sich selbst in einen Engel des Lichts, um die Seele in die Sünde zu stürzen, damit sie Gott verunehrt und sich selbst verletzt. Wie ich jedoch schon sagte, erkannte der Herr Jesus, wie leicht seine Jünger und andere von den Versuchungen verführt werden können und gab ihnen den Rat, dass sie ihm Gebet auch darum flehen, vor Versuchung bewahrt zu werden. Es ist ein schrecklich gefährlicher Kampf mit unserem gerissenen und mächtigen Feind Satan. Diesen können wir nicht gewinnen, wenn Gott nicht auf unserer Seite ist. Meine Brüder, wenn ihr auf euch alleine gelassen seid, werdet ihr von jeder Versuchung überwunden, die euch befällt.

 

Diese Worte sind Teil des Gebetes, welches Christus seine Jünger lehrte. Somit zweifele ich nicht im Geringsten, dass ihr sieh für wahr haltet, denn schliesslich sind sie von dem gesprochen worden, der nicht lügen kann. Ich werde nun

  1.  den aufdecken, der euch versucht.
  2.  erklären warum er euch, meine Brüder, versucht.
  3.  einige der Wege und Mittel erwähnen, die er benutzt, um euch in Versuchungen zu bringen.
  4.  euch zeigen wie erst ihr am Herrn hängen solltet, damit er euch davor bewahrt, in Versuchung geführt zu werden.
  5.  Euch schliesslich ernstlich mahnen zu Christus zu kommen, damit er euch, meine Brüder davor bewahrt, versucht zu werden.

1) ZUNÄCHST: GEDANKEN ÜBER DEN, DER UNS VERFÜHRT

Der Verführer ist Satan, der mächtige Herrscher in der Luft, der nun in den Kindern des Ungehorsams herrscht. Er ist ein Feind Gottes und des Guten. Er hasst jede Wahrheit. Warum sollte er sonst Gott im Paradies verleumden? Warum erzählt er Eva „Ihr werdet keineswegs des Todes sterben? [1]“ Er ist voll des Bösen, des Neides und der Rache. Aus welchen anderen Gründen würde er sonst den unschuldigen Menschen im Paradies belästigen? Meine Brüder, die Person, die euch versucht, ist bekannt für ihre Raffinesse. Weil ihm von oben keine Macht gegeben ist, ist er genötigt auf Gelegenheiten zu warten, um zu betrügen und durch List zu fangen. Deshalb gebrauchte er auch die Schlange um unsere Vorfahren zu verführen. Er lauert auf, um zu verführen, was der Kern seines Charakters ist. Und obwohl dies ein teuflischer Charakter ist, entdecken wir, wenn wir unsere Herzen erforschen, auch in uns schnell ähnliche Eigenschaften.

 

Lieben es nicht viele von uns zu lügen? Wenn dies aus wirtschaftlichen Gründen geschieht, betrachtet ihr diese als verzeihlich. Doch ob ihr es glaubt oder nicht, es ist und bleibt außerordentlich sündig. Auch wenn ihr euch selbst zu schlauen rationalen Kreaturen und noblen Wesen erklärt. Eine solche wart ihr, als ihr zum Anfang aus Gottes Hand kamt. Jetzt jedoch seid ihr gefallen und nun gibt es nichts Liebenswertes und nichts Begehrenswertes im Menschen. Sein Herz ist eine Müllhalde, voller Sünde und Unreinheit. Und doch, obwohl das Herz des Menschen derart verzweifelt verdorben ist, erklären ihm unsere modernen und freundlichen Prediger, dass es auch etwas Feines im Menschen gibt, und dass Gott, nachdem er uns als gute Geschöpfe erkennt, uns seine Gnade gibt. Doch diese Weise zu reden, so zeitgemäss, freundlich und elegant sie sein mag, ist äusserst unbiblisch. Sie widerspricht der Lehre der Reformation und unseren eigenen Artikeln [2]. Wie widersprüchlich sie auch der Lehre der anglikanischen Kirche sein mag, nichts klingt von unseren Kanzeln häufiger, als: „Tut niemanden etwas Böses, lebt ehrlich, liebt eure Nachbarn wie euch selbst, tut euren Teil und dann wird Christus den Mangel ausfüllen.“ So macht man Christus zu einem halben Retter und gibt dem Menschen die halbe Ehre. Ich sage jedoch, Christus will deine ganze Gerechtigkeit, deine ganze Weisheit und deine ganze Heiligung sein, ansonsten wird er niemals zu deiner ganzen Erlösung. Wie erschreckend ist es doch, dass die Diener der Kirche Englands genau das Gegenteil dessen verkündigen, was sie unterschrieben haben. Gott bewahre! Wenn dies die Führer der Unwissenden sein sollen, dazu berufen echte Diener Christi zu sein! Stattdessen sind sie jedoch nur blinde Führer der Blinden und werden ohne besonderes Eingreifen Gottes mit jenen in die Schlucht stürzen.

 

Kein Wunder, dass die Menschen von der Eignung und Nicht-Eignung der Dinge sprechen, wenn sie uns gleichzeitig erklären, dass der Geist Gottes ein gutes Gewissen ist, und die Tröstungen des Heiligen Geistes darauf folgen. Doch das ist falsch. Denn es sollte gesagt werden, dass der Geist Gottes die Tröstungen des Heiligungen Geistes ist und ein gutes Gewissen daraufhin folgt. Seneca, Cicero, Plato und jeder andere heidnische Philosoph hätten eine genauso gute Definition geliefert. Es bedeutet nicht mehr als das Fazit, dass wir schließlich ganz gut gehandelt haben. 

 

Doch lasst diese modernen freundlichen Herren und meine Buchstaben-Brüder den Menschen so lieb und nett zeichnen, wie es ihnen passt, ich werde das nicht tun. Ich möchte ihn nicht besser machen, als das Wort Gottes das tut. Wenn ich den Menschen in den für ihn geeigneten Farben zeichnen möchte, muss ich für eine geeignete Vorlage in das Königreich der Hölle steigen. Denn der Mensch ist von Natur aus, voller Stolz, List, Bosheit, Neids und voll der Lieblosigkeit. Und was ist das anderes als die Versuchung Satans? Auch ist er voller Lust, Unzucht und Gier, was alles die Versuchung des Tieres ist. Und diesem Geschöpf, welches derart abscheulich und empörend dem Zorn Gottes ausgeliefert ist, sagen wir, dass er den Teil seiner Pflichten tun muss, und was er nicht schafft, wird Christus für ihn tun…

 

Das gibt dem Versucher in der Tat großen Raum für seine Versuchung. Er ermutigt die Seele den moralischen Pflichten zu folgen, die Gemeinde zu besuchen, das Sakrament zu nehmen, zu lesen, zu beten und nachzudenken. Der Teufel ist recht zufrieden mit all diesen Dingen. Denn so lange du diese in deiner eigenen Kraft tust, oder so lange du nicht mehr als das tust, wandelst du bloß auf einem glatten Weg in die Hölle.

 

2) WARUM VERSUCHT SATEN UNS?

Nun haben wir gesehen, wer es ist, der uns versucht. Nun möchte ich euch noch zeigen, warum er uns versucht.  Dies geschieht aus Neid vor unserem Herrn Jesus Christus. Er müht sich ab, uns von der Nähe zu Christus abzuhalten. Und wenn er uns vom Glauben an Christus abhalten kann, weiss er uns sicher genug. 

 

Grössere Anfechtungen werden gemäß ihrer Natur und Größe euch im euren Sinn beunruhigen und euer Denken verunsichern. Ihr werden nun schlussfolgern, dass ihr in diesem Zustand, in all dieser Sinnesverwirrung kaum zu Christus gehen könnt, der euch so nicht empfangen wird. Doch dies ist die Art des Versuchers, dass er gering und ehrlos über den gesegneten Jesus denkt. So erreicht er allmählich, dass ihr sorgenlos und gleichgültig zu Christus seid. Dies, genau dies, meine Brüder ist die Strategie des Verführers. Nichts freut ihn mehr, als euch für immer ruiniert und verloren zu sehen. Er versucht euch mit dem Ziel, dass ihr euer Interesse an Jesus Christus verlieren mögt und dass ihr für alle Ewigkeit mit ihm und den abgefallenen Geistern wohnen sollt. Er weiß, dass Jesus Christus für Sünder starb, dennoch wird er bis zur Ohnmacht die Seelen davon abhalten die Stadt der Zuflucht um Schutz oder Gilead um die echte Salbe aufzusuchen.

 

ER ist es, der in deinem Herzen regiert, ihr Spötter und ihr Pharisäer. Der Satan regiert dort und bemüht sich, deine Augen zu verblenden. So erkennst du nicht in welcher Gefahr du bist, und wie viel Böses jetzt in deinem Herzen ist. So lange er dich ruhig und unbesorgt über den Zustand deines Herzens halten kann, wird er ebenfalls ruhig sein. Dennoch wird er jede Gelegenheit wahrnehmen euch zur Sünde aufzustacheln, bis ihr in eurer Ungerechtigkeit verhärtet seid. O Brüder, gebt Satan keine Gelegenheit euch gefangen zu nehmen. Ach, kein Wunder versucht Satan euch, wenn er euch im Theater, Schauspiel oder Konzert findet. Wie kann man am Morgen „Führe uns nicht in Versuchung“ rufen, wenn man bereits entschieden ist am Abend in diese hineinzulaufen? Grosser Gott! Sind diese Menschen Mitglieder der Kirche von England? Ach, wenn ihr in die Kirche geht und diese Gebete sprecht, sind sie nicht mehr wert als die Opfer der Narren. Ihr bestätigt diese mit euren Lippen mit einem Amen und seid in euren Herzen entweder unbekümmert oder denkt, dass das blosse aufsagen eines Gebets genug ist, um mit Gott ins Reine zu kommen.

 

Meine Lieben verführt euch jedoch nicht selbst, denn Gott lässt sich nicht verspotten. Ihr ruiniert euch selbst für Zeit und Ewigkeit. Ihr betet „Führe uns nicht in Versuchung“, und fordert (gleichzeitig) Satan auf, zu kommen und euch zu versuchen.

 

3) EINIGE MITTEL UND WEGE MIT DENEN ER EUCH VERSUCHT

Dies ist ein breites Thema, und ich als ein junger Soldat im Dienste Christi kann euch nur einige aufzählen. Deswegen werden wir nur kurz bei diesem Kapitel verweilen:

 

a) Eine seiner Anstrengungen zielt darauf ab, dass ihr über Sünde nicht so „gross“ denkt. Dass es keinen Grund gibt, zu streng zu sein und dass ihr so wie so schon recht gerecht seid. Auf diese Weise werdet ihr prahlerisch (aufgeblasen und egoistisch), was euch nur schaden kann. Satan zeigt euch den Köder, versteckt aber die Angel. Er zeigt euch die Freuden, die Profite und Vorteile, damit ihr die Reichtümer dieser Welt anhäuft. Doch verbirgt er das Kreuz, die Verluste und Ärgernisse, die ihr haben werdet, wenn ihr die „Segnungen dieser Welt“ geniessen werdet.
b) Wenn er feststellt, dass er euch durch Schmeichelei nicht locken kann, wird er dies durch Ablehnung und Schrecken dieser Welt versuchen. Er wird die Menschen aufwiegeln, damit diese auf dich zeigen und schreien: „Hier kommt ein weiterer Anhänger seiner Truppe.“ Er wird sie aufwiegeln, damit sie euch gefährden, verspotten, verhöhnen und hassen. Und wenn auch das nicht reichen sollte, dann wird er mit Zweifeln und Entmutigungen um sich herumwerfen. Oder er wird flüstern: „Was, du erwartest von Christus gerettet zu werden? Also, er starb nicht für dich, denn du bist ein zu großer Sünder. Du lebtest zu lange in Sünde und begingst solche Sünden gegen Christus, die er nicht vergeben wird.“ Auf diese Weise drängt er arme Sünder in die Verzweiflung.

 

Versammelt sich das Volk Gottes um Gott anzubeten, schickt er sehr oft seine Agenten, die Spötter, um sie zu stören. Wir sahen gerade erst einen solchen Fall ihrer Wut. Sie hätten uns sicherlich gestört, wenn der Herr nicht auf unserer Seite wäre und alle Versuche der bösen und aufrührerischen Menschen verhindert hätte, uns zu stören und zu beunruhigen. Herr Jesus, vergibt denen, die deine Wahrheit verfolgen! Jesus, zeig ihnen, dass sie gegen dich kämpfen, dass es hart sein wird, gegen den Stachel zu lecken. Meine Brüder, dies sind einige der Wege, die Satan in Versuchungen einschlägt, um uns von Christus abzubringen. Viel mehr könnte aufgezählt werden, doch dies soll genug sein. Ich hoffe, dass ich euch auf der Hut vor all dem halten kann, dass der Feind tun kann, um euch daran zu hindern, zu Christus zu kommen.

 

4) SCHLIESSLICH: WIE WICHTIG UND NÖTIG ES IST BEI JESUS CHRISTUS ZU BLEIBEN

Meine Brüder, an dieser Stelle kann ich euch nur ermutigen, zu Jesus Christus zu kommen. Erzählt ihm, wie sehr ihr von dem Bösen angegriffen werdet, der im Verlangen nach euren Seelen lügt. Erzählt ihm, dass ihr ihn nicht durch eure eigene Kraft besiegen könnt. Fleht um seine Unterstützung und ihr werdet ihn bereitfinden, euch zu helfen. ER ist bereit, euch beizustehen, euer Führer, Trost, Erretter und euer Alles zu werden. ER wird euch die Kraft geben, den feurigen Pfeilen des Teufels widerstehen zu können. Somit werdet ihr nirgendwo jemanden geeigneteren finden können, euch zu erlösen, als Jesus Christus. ER weiss, was es bedeutet, versucht zu werden. ER wurde in der Wildnis von Satan versucht und er wird euch die Unterstützung seines Geistes gewähren, dem Bösen zu widerstehen und dann wird dieser von euch fliehen. In Jesus Christus habt ihr die Kraft, die ihr braucht, so wie der Teufel diese Kraft verliert. Deswegen fürchtet euch um des Namen des ewigen Gottes nicht, denn in seinem Namen sollt ihr alle Geistlichen Amalekiter [3] überwinden. Lasst den Teufel und seine Diener wüten. Lasst sie Verwünschungen ja sogar Morddrohungen aussprechen. Dennoch werden wir in Christus fröhlich sein, der sie alle unter seiner Gewalt hat. Niemals können sie weiter gehen, als ER ihnen erlaubt. Sie können wüten, und dass schrecklich, dennoch kommen sie nicht weiter, als ihnen die Macht von oben gewährt wird.

 

Wenn sie die von ihnen begehrte Missgunst ausleben könnten, würden nur wenige von uns mit heiler Haut davonkommen. Doch, gepriesen sei Gott, dass wir uns seinem Schutz anbefehlen dürfen. Er war bisher unser Beschützer und wird dies auch weiterhin sein. Fleht somit weiterhin um die Unterstützung des Herrn in den Versuchungen, mit denen der Teufel euch angreift. Er ist ein mächtiger und überaus listiger Verführer. Er wäre zu mächtig für uns, wenn nicht die Kraft Christi mit uns wäre. Somit schaut auf Christus, damit er seinen Geist in unsere Herzen schickt und uns vom Fallen bewahrt. Wie steht es nun um eure Seelen und Gott, meine lieben Brüder in Christus? Ist Jesus euren Seelen wirklich kostbar? Was ist er euch wert? Niemals wird Christus von euch weggehen, wenn ihr nicht von ihm weggeht. Er wird die verfluchten Dinge dieser Welt ausrotten und in euren Herzen wohnen. Ihr seid Bürger des Himmels und um Irdisches wollt ihr bemüht sein? Was sind die Freuden dieser Erde ohne ein Interesse am Herrn Jesus Christus? Ein Lächeln von ihm sollte mehr begehrt werden als Rubine, ja sogar die ganze Welt.

 

Wollen jene, die Jesus Christus als den gefunden haben, der ihnen beisteht, sie in allen Versuchungen dieses Leben unterstützt, jemals Ihn vergessen? Habt ihr nicht einen gnädigen Meister gefunden? Ist ER nicht der Edelste unter zehntausend und vollständig liebenswürdig? Nun seht ihr eine Art und Freundlichkeit in Christus, die ihr noch nie gesehen habt. Oh! Wie sehr wünschen wir es uns, Jesus bereits früher gekannt zu haben, und sehnen uns nach seiner Liebe. Es ist eine aufsteigende Liebe, beeindruckend, vergebend, sterbend, erhöhend, vermittelnd und verherrlichend. Es verschlägt mir die Sprache, wenn ich über die Liebe Jesu Christi rede, der mich liebte, bevor ich Ihn liebte. ER sah uns, wie wir in die Zerstörung rennen, blutverschmiert, voller Beulen, als Sklaven der Sünde, des Todes und der Hölle. Dann ging er an mir vorbei und sagte meiner Seele, „Lebe“. ER riss mich wie ein Scheit aus dem Feuer heraus. Es war die Liebe, die mich rettete. All das geschah einzig und allein aus der freien Gnade Gottes. Diese geringe Erfahrung dieser Liebe, erhebt mich bis aufs äußerste. Die Liebe und Gnade des gesegneten Jesu, der einem solchen Wrack so viel Gnade erwies. Oh meine Brüder, dass Reich Gottes ist in mir und er füllt mich derart mit Liebe aus, dass ich nie wieder zurück möchte, nicht für Abermillionen dieser Welten. Ich begehre es mit Jesus zu sein, mit dem Herrn zu sein, der mich erworben hat, für alle Ewigkeit mit dem Lamm zu leben, dass geschlachtet wurde und ihm Hallelujas zu singen. Selbst die Ewigkeit ist zu kurz, um die Liebe unseres Herrn Jesus Christus zu preisen. Ich kann es in der Tat einfach nicht lassen, immer und immer und immer wieder vom Herrn Jesus zu reden.

 

Wenn hier jemand anwesend sein sollte, der die Liebe des Herrn Jesus Christus nicht kennt, verzweifele nicht! Komm zu Christus und er wird mit dir Gnade haben, er wird dir alle deine Sünden vergaben, dein Versagen heilen, aus freien Stücken lieben und dich zu sich ziehen… Eilt somit zu Christus und ihr sollt Ruhe für eure Seelen finden, meine lieben Brüder. Ihr müsst euch nicht fürchten, ihr müsst nicht verzweifeln, denn wenn Gott mit einem solchen Kadaver, wie ich es bin, Gnade hat, wird er auch euch erretten, wenn ihr im Glauben zu ihm kommt.

 

Warum zögert ihr noch? Was! Ihr meint, ihr seid arm und deswegen beschämt zu kommen? Es ist nicht eure Armut, die Christus im Sinn hat. Kommt in euren Lumpen, in eurem Dreck und er wird euch retten. Hängt an keinem Ding ausser dem Blut Jesus Christi. Bleibt nicht eine Stunde länger wach, sondern gebt eure Herzen Christus. Gebt ihm die Erstlinge der Herde. Kommt jetzt zu Ihm, ansonsten reist ER euch heraus, bevor ihr bereit seid und eure Seele kommt in das Loch, aus dem es keine Erlösung mehr gibt.

 

Zögert nicht, sondern gebt ihm das, was er begehrt: Euere Herzen. Es ist das Herz, dass der Herr Jesus Christus wünscht. Habt ihr dann einen inneren Keim, der durch Jesus Christus in eure Herzen gepflanzt wird, dann werdet ihr die Süsse und die Freude der Gemeinschaft mit Gott spüren. Bedenkt die Liebe des Herrn Jesus Christi, der für euch starb, meine lieben Brüder. Und ihr wollt leichtsinnig an seiner sterbenden Liebe vorbeigehen? Eure Sünden brachten Christus vom Himmel und ich bete demütig zu dem Herrn, dass sie nicht das Mittel sind um euch in die Hölle zu schicken. Welche Sprache wird euch bewegen, eure Sünden zu verlassen und zu Christus zu kommen? Wenn ich das bloß wüsste! Wenn es in meiner Kraft läge, euch diese Gnade zu geben. Dann würde nicht einer von euch, nicht der grösste Spötter von hier gehen, ohne dass er ein verändertes Herz hätte. Dann würden wir uns freuen und uns gegenseitig erbauen. Doch dies liegt nicht in meiner Kraft. Ich weiß aber, wo ihr sie findet, nämlich beim Herrn Jesus. ER wird sie euch geben, wenn ihr Ihn darum bittet, denn ER hat gesagt, „Bittet, so soll euch gegeben werden.“ Somit bittet Ihn und wenn ihr abgewiesen werdet, wiederholt eure Bitte, drängt auf Ihn und er wird sich zu euch wenden, wie ER sich der syrophönizischen Frau [4] zuwandte, die aufgrund ihrer Tochter zu Christus kam. Wenn sie sich so sehr um einen Körper bemühte, wie sehr sollten wir um unsere Seelen bangen? Wenn ihr Ihn im Glauben aufsucht, wird seine Antwort dieselbe sein, die auch sie hörte, „Dein Glaube hat dich gerettet, es geschehe wie du es gebeten hast.“

 

Ich flehe euch an, sucht den Herrn. Verachtet nicht die Gelegenheiten, die euch für die Rettung eurer Seelen geboten werden. Darum flehe ich. Verlasst eure Versammlungen nicht, damit ihr erbaut werdet und die, die schwach sind, im Glauben gestärkt werden. Überführt Sünder, damit diese die Kraft Gottes in ihrem Herzen spüren und ausschreien können, „Was muss ich tun um gerettet zu werden?“

 

Der Teufel und seine Akteure haben ihre Klubs des Schwelgens und ihre Gesellschaften der Trunkenheit. Sie schämen sich nicht, dass man sie als Diener Satans sieht und hört. Sie schämen sich nicht, ihn zu verkündigen. Wie viel weniger solltet ihr euch des Herrn Jesu Christi schämen. Vielmehr begehrt ihr es, Jesus zu verkündigen, der dafür starb, damit ihr leben sollt. Er wird euch beim Vater und den heiligen Engeln vertreten. Begehrt somit von Herzen das Gute. Fürchtet euch nicht vor den Menschen. Lasst die Anschläge der Menschen dieser Welt euch nicht bewegen. Was ist schon der Verlust der Grösse, Freude und Reputation dieses Lebens, verglichen mit dem Verlust des Himmels, Christi und eurer Seelen? Beachtet auch nicht die Anschuldigungen dieser Welt. Wenn Sie euch beschuldigen, rächt euch nicht. Antwortet niemals auf Tadel mit Tadel. Sondern lasst Liebe, Freundlichkeit, Demut, Geduld und Langmut in euch gefunden werden, als solche, die in Jesus gesegnet sind. Ich fordere euch somit auf, sich regelmäßig zu versammeln um sich gegenseitig daran zu erinnern, welch grosse Dinge Jesus Christus für eure Seelen getan hat.

 

Entgegen einigen heuchlerischen Behauptungen fordere ich euch nicht auf, eure berufsmäßige Berufung und eure Geschäfte in die Gott euch in seiner Vorsehung gesetzt hat, zu verlassen. Denn ihr habt zwei Berufungen, eine allgemeine und eine besondere. Es ist eure Pflicht, euere Familien zu versorgen. Aus welchem Grund auch immer ihr diese vernachlässigen mögt, ob es nun um die Kirche oder in die Gesellschaft geht, habt ihr eure Pflicht vergessen und ihr opfert etwas, was Gott euch nicht befohlen hat. Jedoch solltet ihr euch darum sorgen, dass die Dinge dieses Lebens euch nicht daran hindern, sich für das vorzubereiten, was noch kommen soll. Lasst die Geschäfte dieser Welt euch nicht gedankenlos über eure Seelen machen. In allen euren Verantwortlichkeiten, in der Beschäftigung des Lebens, seit allezeit festen Blickes auf die Ehre Gottes ausgerichtet, die die Rettung eurer Seelen ist.

 

Der Abend schreitet voran und drängt mich zu einer Schlussfolgerung. Obwohl ich denke, dass ich reden könnte, bis mir die Zunge ausfällt, ja bis ich nicht mehr reden kann, wenn dies nur eure Seelen aus den Klauen dessen retten könnte, der euch zu verführen sucht.

 

Ich flehe euch deshalb in Liebe und Anteilnahme an. Zunächst euch, die ihr Pharisäer seid. Ihr, die ihr nicht zu Christus kommt, sondern auf euere eigene Gerechtigkeit vertraut. Die ihr denkt, dass alles gut gehen wird, da ihr ja ein bürgerliches, ehrliches und anständiges Leben führt. Doch seid gewarnt, ihr Pharisäer, dass Ehebrecher, Mörder und Diebe eher in das Reich Gottes kommen als ihr. Wähnt euch nicht auf dem Weg zum Himmel, wenn ihr auf dem Breiten Weg in die Hölle seid. Werft ihr jedoch eure Gerechtigkeit weg und kommt zu Christus. Lasst euch daran genügen, dass Jesus Christus die ganze Arbeit für euch und in euch macht. Denn Christus ist willig euer Retter zu sein. Doch wenn ihr mit euren eigenen Werken daherkommt und in diesen hofft gerecht zu werden, könnt ihr eine Ewigkeit danach suchen in diesen gerecht zu werden und es wird euch nie gelingen. Nein, nur das Blut Jesu Christi, reinigt uns von aller Unreinigkeit und Verschmutzung unserer Sünden. Ihr müsst geheiligt werden, bevor ihr gerechtfertigt werdet. Was die guten Werke angeht, seid ihr vor Gott unabhängig von diesen gerechtfertigt. Ob es nun vergangene, gegenwärtige oder zukünftige Werke sind. Wenn wir gerechtfertigt sind, werden gute Werke unserer Rechtfertigung folgen, denn wir können keine guten Werke tun, bis wir nicht von unserer Unreinigkeit durch die Heiligung des Heiligen Geistes gereinigt sind.

 

Oh, ihr Spötter, kommt und seht auf diesen Jesus, diesen Herrn der Ehre, den ihr verachtet. Wenn ihr doch nur zu Jesus kommen möchtet, wird er euch annehmen, unabhängig all der Verfolgung, die ihr gegenüber seinen Gliedern entgegengebracht habt. Doch bedenkt dabei, dass wenn ihr ihr in eurer Rebellion verharrt, euch das Heil angeboten wurde. Christus und freie Gnade wurde euch angeboten. Ihr jedoch lehnten beides ab. Somit wird euer Blut von euren Händen geforderte werden. 

 

Wie auch immer ihr mich und meinen Dienst verachten möchtet, ich werde das nicht beachten und euch weiterhin regelmäßig vor dieser Gefahr warnen und versuchen euch zur Besinnung zu bringen. Ich werde ernstlich und voller Mitleid für euch beten, dass Gott euch eure Fehler zeigen und euch zu seiner Herde bringen möge, damit aus euch brüllenden Löwen friedliche Schafe werden können.

 

Nun auch ein Wort an euch, meine Brüder, die Christus den Herrn begehren und seine Kraft in ihren Seelen erleben möchten. Wie oft empfindet ihr eure Wünsche und Gebete unbeantwortet. Haltet an und Christus wird sich euch offenbaren, wie ER es in der Welt nicht tut. Ihr werdet die Liebe Jesu in euren Seelen sehen und spüren. Ihr werdet in eurer eigenen Brust ein Zeugnis davon haben, dass ihr dem Herrn gehört. Fürchtet euch somit nicht, denn der Herr Jesus Christus wird euch mit seinen Erwählten versammeln, wenn er am großen Tag des Gerichts erscheinen wird, um jeden gemäß seinen Werken im Leibe zu richten, ob sie nun gut oder böse seien. Möge doch der Gedanke an unsere Verantwortung vor Gott für alle unsere Taten uns ernster über die Konsequenzen derselben machen.

 

Schliesslich will ich mich an euch wenden, Hohe und Niedrige, Reiche und Arme. Einem jeden von euch rufe ich zu, die Güte und Gnade zu akzeptieren, solange sie angeboten wird. Nun ist die angenehme Zeit, jetzt ist der Tag des Heils. Wollt ihr es jetzt nicht annehmen? Wartet nicht auf einen besonderen Moment, sondern kommt und nehmt Jesus Christus an. Dann sollt ihr am letzten Tag für immer zu den Seinen genommen werden. Wie sehr schenkt euch dies die Sehnsucht mit Jesus zu sein, der so viel für euch getan hat. Dieser tritt nun für euch ein und

bereitet die Wohnung für euch vor. In diesen werden wir ankommen und für alle Ewigkeit Ruhe finden.

 



[1] 1 Mo 3,4

[2] Gemeint sind die die 39 Artikel, die ein zentrales Dokument für die anglikanische Kirche sind und klar reformiert geprägt sind.

      Mehr dazu hier.

[3] Gemeint ist höchst wahrscheinlich 2. Mose 17, 8ff

[4] Die Begegnung Jesu mit der syrophönizischen Frau schildert Markus in Markus 7, 26 ff