Wie hat Gott mich zu sich gerufen?

AutorJohn Piper

 

Ein Artikel von John Piper, der am 21.10.2020 unter dem Titel How Did God Call Me to Himself? erschienen ist. Übersetzt von Viktor Zander, mit freundlicher Genehmigung von DesiringGod.


Wie brachte Gott mich zu ihm? Wie hat er dich zu sich gerufen? Was geschah bei diesem souveränen Akt? Das ist eine Frage, über die Pastor John in einer 2010 gehaltenen Predigt über 1. Korinther 1,26-31 gesprochen hat.

 

Denn die Juden fordern Zeichen und die Griechen fragen nach Weisheit, wir aber predigen Christus, den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgernis und den Heiden eine Torheit; denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit. (1. Korinther 1,22-24; Luther 2017)

 

Ein Ruf mit schöpferischer Kraft

Wenn die Berufenen auf den gekreuzigten Christus schauen, dann sehen sie kein Ärgernis; sie sehen keine Torheit. Sie sehen Kraft. Es gibt in diesen Versen also drei Gruppen von Menschen: (1) Juden, (2) Heiden, (3) Berufene. Das ist so noch nicht ganz akkurat, oder? Lasst es mich ein bisschen sorgfältiger formulieren: Es gibt (1) nicht berufene Juden, (2) nicht berufene Heiden, und (3) berufene Juden und Heiden.

 

Das sind die drei Gruppen. Könnt ihr mir folgen? Wir denken über unsere Berufung nach. Wir gehorchen 1. Korinther 1,26. Es gibt nicht berufene Juden, nicht berufene Heiden und Juden und Heiden, von denen einige berufen sind. Und dann beschreibt er, wie die drei Gruppen auf das Kreuz reagieren.

 

1. Juden: „Ja, Ärgernis. Stolperstein. Ein gekreuzigter Messias? So etwas habe ich ja noch nie gehört.“

2. Heiden: „Torheit. Ein sterbender Gott? Schwachsinn – Mythen und Legenden.“

3. Die Berufenen: „Kraft – mein Gott!“

 

Was für ein Ruf ist das? Ich sage euch, was für ein Ruf das ist: Es ist die Art von Ruf, der erschafft, was er befiehlt. Der Ruf gibt Licht. Der Ruf erschafft das Sehen. Der Ruf lässt die Toten auferstehen. „Lazarus, komm heraus“ (siehe Johannes 11,43). Lazarus hat sich nicht dazu entschieden. Der Ruf ließ ihn aus den Toten auferstehen.

 

„Wach auf!“

Ich mache euch ein Beispiel, das vielleicht missverständlich ist. Mir jedenfalls hilft es. Einfach damit ihr es begreift, weil viele von euch niemals etwas über den Ruf Gottes gehört haben, über diesen mächtigen, wirksamen, unwiderstehlichen, kraftvollen, rettenden, erweckenden, lebensspendenden Ruf Gottes, der euch gerettet hat. Wenn ihr noch nie etwas davon gehört haben, dann braucht ihr ein kleines, hilfreiches Beispiel, anstatt einfach nur zu sagen: „Worüber redet er? Ich habe sowas noch nie gehört. Ich dachte, ich habe einfach nur an Jesus geglaubt.“

 

Nehmen wir an, jemand schläft und ihr wollt ihn aufwecken. Was tut ihr? Er schläft tief und fest. Ihr beugt euch also über ihn und sagt: „Wach auf!“ Und sofort schnellt er hoch. Was ist denn nun in diesem Moment die Dynamik? Er schlief tief und fest und dann war er wach. Hat er den Ruf gehört und gesagt „Ich werde darüber nachdenken, bevor ich aufwache, und dann werde ich entscheiden, ob ich aufwachen will?“ Das ist ein guter Vergleich. Wenn Gott dein totes Herz ruft und sagt „Wach auf!“, dann wachst du auf. Ihr habt euch nicht selbst zu Christen gemacht. Blickt der Wahrheit ins Auge: Ihr habt euch nicht selbst zu Christen gemacht, und genau deswegen dürft ihr euch so unglaublich geliebt fühlen.

 

Gott hat euch in Christus versetzt

Gott liebte euch, indem er euch in Christus versetzt hat. „Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus“ (1. Korinther 1,30; Luther 2017). Das ist ziemlich klar. Wenn man es sehr, sehr wörtlich nehmen würde, dann würde es im Original so heißen: „Von ihm her seid ihr in Christus Jesus“, oder „von ihm seid ihr in Christus Jesus“. „Durch ihn“ ist wahrscheinlich eine ziemlich gute Übersetzung: Wegen seines Tuns, wegen seines Werkes, seid ihr in Christus Jesus.

 

Er erwählte euch also „ehe der Welt Grund gelegt war“ (Epheser 1,4; Luther 2017). Durch Billy Graham, einen Prediger, das Zeugnis eurer Mutter, das Lesen der Bibel, das Hören eines Anbetungsliedes oder wie auch immer er es hinsichtlich menschlicher Werkzeuge tun wollte: Er sprach „Wach auf!“, oder „Komm!“ oder „Lebe!“. Und plötzlich saht ihr das Kreuz nicht mehr als Torheit. Plötzlich war das Kreuz nicht mehr langweilig. Ihr saht das Kreuz nicht mehr als Mythos. Ihr saht das Kreuz nicht mehr als Stolperstein oder Ärgernis. Plötzlich war es genau das, was ihr nötig hattet und es war die Wahrheit. Und ihr habt es angenommen. Ihr habt es angenommen. Weil Gott euch auferweckt hat, weil Gott euer Herz verändert hat. Und in diesem Moment wurdet ihr mit Christus vereint.

 

Als wir über die Lehre der Erneuerung oder der Wiedergeburt gesprochen haben, habe ich versucht zu erklären, dass Berufung, Erneuerung, Glaube und Einheit mit Christus gleichzeitig zu sehen sind. Es gibt hier Kausalzusammenhänge, aber es gibt keine zeitlichen Lücken. In einem Augenblick, ja in einem einzigen Augenblick, erweckte er euch aus den Toten. Eure Augen wurden geöffnet und ihr habt den herrlichen Christus erblick. Als ihr ihn dann als herrlich erblicktet, wurdet ihr gläubig. Ihr wurdet Gläubige. Das bedeutet es, ein Gläubiger zu sein: „Er ist herrlich. Er ist der Retter. Er ist der Herr. Er gehört mir.“ Das ist die Bedeutung dessen, ihn als das zu sehen, was er ist. Und in diesem Moment wurdet ihr mit Jesus vereint, was bedeutet, dass Gott euch geliebt hat, indem er Christus zu eurer Weisheit, eurer Gerechtigkeit, eurer Heiligung und eurer Erlösung gemacht hat.

 

Gott hat euch also auferweckt, euch mit Christus vereint, sodass ihr eine lebendmachende Vereinigung mit Jesus erlebt. Ihr seid mit ihm verbunden – vielleicht wie eine Rebe mit dem Weinstock?

 

Alles, was er ist, das seid ihr auch

Schaut euch nochmal Vers 30 an: "Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der für uns zur Weisheit wurde durch Gott und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung." (1. Korinther 1,30; Luther 2017).

 

Wenn ihr also mit Christus eins werdet, dann seid ihr jetzt all das, was er ist – ohne dass es euch zu Gott macht. All die Vorrechte, die in ihm sind, das ganze Erbe, das in ihm ist, alles, was er je erkaufte, aller Gehorsam, den er je erbrachte, all die Vergebung, die er erkaufte, gehört nun euch, kraft eurer Vereinigung mit ihm. Das spürt ihr ihm Glauben und Gott hat es auf souveräne Weise gewirkt. Dadurch, dass Gott euch auf diese Weise geliebt hat, ist er alles für euch geworden.

 

Als ich heute abends hier reinkam und gehört habe, wie das Lobpreis-Team „Halleluja, Christus ist alles was ich habe. Halleluja, Jesus ist mein Leben“ geübt hat, sagte ich zu Chuck: „Okay, ich bin hier ein Testhörer.“ Ich hatte eigentlich ein anderes Lied für den Schluss ausgesucht. Aber jetzt wir singen das hier: „Christus ist alles, was ich habe“. Das ist Vers 30, oder? Wenn ich Weisheit brauche, dann ist er meine Weisheit. Wenn ich Gerechtigkeit brauche, dann ist er meine Gerechtigkeit. Wenn ich Heiligung, Erlösung, … brauche, dann …

 

Ihr seid geliebt, Bethlehem. Ihr seid geliebte Söhne und Töchter Gottes, weil Gott euch für sich selbst erwählt hat. Ihr seid geliebt, weil er euch zu sich selbst gerufen hat. Ihr seid geliebt, weil ihr mit Christus vereint seid. Und als er euch eins gemacht hat mit Christus, wurde Christus zu allem, was ihr benötigt.