Jemand hat es nötig zu sehen, wie gut du mit deinem Leid umgehst.

Autor: Marshall Segal

 

Nur wenige Sachen ermutigen eine Seele gegen Satans Verführung so sehr, wie das Leiden anderer Christen in einem beständigen Glauben. Wenn wir andere sehen wie sie durch das Todestal mit einem Ziel und der Freude in Gott, durch Hoch und Tiefs gehen, ermutigen uns ihre Treue und Ausdauer zu neuer Hoffnung und Wachsamkeit. Elisabeth Elliot war diese Person für mich (und für viele andere auch).


Elisabeth und ihr Ehemann, Jim, heirateten auf dem Missionsfeld in Ecuador im Jahre 1953. Nur drei Jahre später wurde Jim zusammen mit vier anderen Männern durch einen Speer von Waoranis getötet, als sie versuchten den Stamm der Waorani mit dem Evangelium zu erreichen. Elisabeth erhielt diese Nachricht, als ihre Tochter Valerie erst 10 Monate alt war. Sie schrieb folgendes: «Die Gegenwart Gottes bei mir, war nicht diejenige von Jim. Das war eine schreckliche Realität. Gottes Präsenz hat die Tatsache nicht geändert, dass ich eine Witwe war… . Die Absenz von Jim hat mich erschüttert und hat mich gezwungen, zu Gott zu fliehen; meine einzige Hoffnung und Zuflucht. Und ich habe durch diese Erfahrung gelernt, wer Gott ist, in einer Weise, wie ich es nie anders gelernt hätte. (Elliott, E., Suffering is never for nothing. S. 25).


Nach 16 Jahren hat sie erneut geheiratet und ihren zweiten Ehemann, Addison, vier Jahre später an Krebs verloren. Einige habe mehr gelitten wie Elisabeth Elliot, andere nicht. Und nur wenige sehen wie Elisabeth das Gute, das Gott durch furchtbaren Erlebnisse bewirken kann, wie Elisabeth es gesehen hat. Ihr Zeugnis erinnert mich an jemand anderes, der auch gelitten hat: der Apostel Paulus. Er hat ein Leid nach dem anderen ertragen und das mit grosser Freude und beständigem Glauben.

 

Leiden ist kein Umweg
Das Gefängnis war kein Umweg für Paulus. Wenn alle, sogar die Christen, geneigt waren ihn zu bemitleiden, sah er selbst das überraschende Potential in seiner Gefangennahme. Die schlimmsten Nöte, das wusste er, waren oft die grössten Möglichkeiten zur Verbreitung des Evangeliums. Paulus schreibt: «Ich lasse euch aber wissen…» (Philipper 1,12) – unrechtmässig angeklagt, inhaftiert und dem Tod überlassen (Philipper 1,20) – «das ist zur größeren Förderung des Evangeliums geschehen» (Philipper 1,12). Das Evangelium hat nicht einfach die Verhaftung von Paulus überlebt, sondern florierte während seinen Leiden. Nein, sogar gerade weil er gelitten hat.


Niemand von uns antwortet so auf eine natürliche Weise auf das Leid. Unerwartete Turbulenzen im Leben überfliessen natürlicherweise nicht gerade in fröhlicher Hoffnung und selbstloser Liebe. Ohne Gnade macht uns Leiden ungeduldig, selbstsüchtig und verzweifelt. Wir ziehen uns zurück, kehren uns ab und sind weniger besorgt, wenn überhaupt, um die Nöte anderer. Wir können oft nicht hinter die Dunkelheit sehen, durch die wir gerade hindurchgehen.


Aber die Gnade Gottes beginnt in uns gerade das Gegenteil zu wirken; besonders im Leiden. Leid ist keine Ablenkung, Unbequemlichkeit oder einen Umweg für Paulus, sondern einen Durchbruch für das, was sein grösstes Anliegen war: die Verbreitung des Evangeliums und die Ehre von Jesus.

 

Leiden offenbart, was wir am meisten schätzen
Wie hat sich das Evangelium verbreitet, als Paulus alleine in seiner Gefängniszelle sass? Dies sagt er uns in folgenden Versen: «Denn dass ich meine Fesseln für Christus trage, das ist im ganzen Prätorium und bei allen andern offenbar geworden, und die meisten Brüder in dem Herrn haben durch meine Gefangenschaft Zuversicht gewonnen und sind umso kühner geworden, das Wort zu reden ohne Scheu.» Philipper 1,13-14 (Luther)


In der Treue im Leiden fördert des Evangelium in mindestens zwei grossartige Weise: erstens deckt es unsere eigenen Absichten und Motive auf, was nicht passieren würde, wenn wir in Sicherheit und Bequemlichkeit leben. Jeder wusste, dass Paulus für Christus im Gefängnis war (Philipper 1,13). Viele nahmen seine Liebe für Jesus nur wahr, weil er misshandelt und eingesperrt wurde. Wenn er nicht gelitten hätte, wären sie nicht so gewaltig mit seiner Freude und Nachricht konfrontiert worden.


Viele von der kaiserlichen Garde, hätten zum Beispiel nie das Evangelium gehört, wenn Paulus nicht dort eingesperrt gewesen wäre. Viele werden nicht neugierig sein über die Hoffnung, die in uns ist (1. Petrus 3,15), bevor wir nicht etwas erleiden, was Hoffnung benötigt (1. Petrus 3,13). Satan glaubt vielleicht immer noch, dass eine dicke Nebelwolke des Leidens die Treue von Gott verdecken kann. Aber treues Leiden rückt Gottes Herrlichkeit in ein noch grösseres und noch überwältigenderes Licht. Wenn du leidest, denke an die Menschen die dir beim Leiden zusehen, und was sie über Jesus lernen werden.

 

Nichts verbreitet das Evangelium besser als das Leiden
Leiden verbreitet das Evangelium auch durch Ermutigung und Kühnheit von anderen Leidenden. Wieder sagt Paulus: «Und die meisten Brüder in dem Herrn haben durch meine Gefangenschaft Zuversicht gewonnen und sind umso kühner geworden, das Wort zu reden ohne Scheu.» Philipper 1,14 (Luther)


Seine Feinde in Jerusalem, aber auch in der geistlichen Welt, haben sich zusammengeschlossen ihn im Gefängnis zum Schweigen zu bringen. Aber sie konnten das Evangelium weder stoppen noch verlangsamen. Ihr misslungener Versuch Paulus’ Geist und Zeugnis zu zerstören, bewirkte genau das Gegenteil. Während Paulus gut gelitten hat, haben die anderen mehr und freimütiger gesprochen. Wer würde am Ende aufstehen und für Jesus einstehen, weil er dich freudig gesehen hat, wie du für Jesus gelitten hast?


Nichts anderes verbreitet das Evangelium besser wie das Leiden. Die, die Gott lieben, dienen nicht nur alle Dinge zum Besten (Römer 8,28), sondern sie dienen um die Weisheit, Kraft und Liebe von Gott perfekt reflektieren zu können. Gegen unsere schlimmsten Ängste und Befürchtungen und das Leid beweist die Kraft des Evangeliums immer wieder. Und setzt die Verbreitung schneller und weiter in Gang durch den inspirierenden Mut von anderen.

Nimm nicht an, dass dein Leiden einen Umweg ist. Das Leid kann hundert Dinge in deinem Leben verlangsamen oder sogar verhindern. Aber Gott liebt es unsere Trauer in eine grössere Vision von ihm zu verwandeln. Und unser Leid verbreitet das Evangelium schneller als es im Wohlstand möglich wäre.

 

Jemand muss dich sehen, wie du «gut» mit deinem Leid umgehst
Wie es häufig der Fall ist, wenn wir in Gottes Wort lesen, können wir die Worte in Philipper 1,12-14 schnell überlesen: «Ich lasse euch aber wissen…». Sogar als Paulus in aussergewöhnlichen und schrecklichen Umständen gelitten hat, war er mehr besorgt um den Glauben und die Freude in Jesus von anderen als um seine eigenen Umstände.


Paulus wollte, dass andere Menschen sehen, dass man Gott vertrauen kann, egal was kommen mag. Das Evangelium kann nicht unterdrückt werden und Jesus ist es alles würdig, was wir je erleiden müssten. Sogar im Gefängnis, schreibt er nicht um ihr Mitgefühl oder Sympathie zu erlangen, sondern um ihre Hingabe zu erwecken und stärken.
Was wenn wir mit solchen Augen leiden, die grossartige Gelegenheit wahrnehmen und andere Gläubigen ermutigen und inspirieren, speziell die Leidenden.

 

An einer anderen Stelle schreibt Paulus: «Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, damit wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.» 2. Korinther 1,3-4 (Luther) Wir kennen nicht alle Absichten von Gott, welche er mit dem Leiden bezwecken will. Aber wir wissen, dass er unser Leiden benutzt und uns vorbereitet, damit wir andere trösten können. Das bedeutet, dass wir oft leiden, manchmal sogar sehr schlimm, und wir verstehen nicht warum. Denn wir haben die Person noch nicht kennengelernt, die durch unsere Geschichte getröstet wird. Je grösser das Leiden je grösseren Trost erhalten wir von Gott, der uns wiederum zu besseren Tröstern für andere macht.

 

Tiefste Meeren und heissestes Feuer
Nach allem was Elisabeth Elliot verloren hat und erleiden musste, konnte sie trotzdem sagen: «Die kostbarsten Dinge die ich in meinem eigenen Leben lernen durfte habe durch die schlimmsten Leiden gelernt. Und aus den tiefsten Meeren und der heisstesten Feuern kamen die kostbarsten Dinge, die ich über Gott lernen durfte. (Elliott, Elisabeth: Suffering ist never for nothing, S. 9)


Wenn tiefe Meere und heisse Feuer kommen, möchte ich Gott wie Elisabeth Elliott kennen lernen – und ich möchte anderen helfen, tiefe Schmerzen und Verluste mit geistlicher Frucht und einer Hoffnung in Gott zu durchleben. Elliot hat einen Ehemann durch Mord und den zweiten an Krebs verloren. Paulus hat Gefangennahme, Verleumdung, Schläge und noch mehr durchlitten. Die Schwere von ihrem Leiden jedoch macht ihre Leiden nicht bedeutungslos für uns. Was auch immer für Leid Gott in unsere Leben lässt, Schmerzen, Enttäuschung, Versuchungen, ob gross oder klein – wir sollten mit Paulus sagen können: «Es wurde allen bekannt, dass all mein Leiden für Christus ist.»


Nicht zuletzt möchten wir Menschen sehen können, wie sie Jesus kennenlernen, weil sie sahen, wie geduldig wir mit unerwarteten Verspätungen an der Arbeit umgingen. Oder wir möchten unseren Bruder oder Schwester in Christus sehen, wie sie Gott suchten, weil wir Gott ehrten, wenn unser Auto kaputt ging oder unser Keller erneut überschwemmt wurde. Wir wünschen uns, dass andere Gläubige zu Jesus stehen, weil sie erlebt haben, wie wir die Gute Nachricht einem anderen Nachbarn teilten und abgelehnt wurden. Wir wollen, durch welches Leid wir auch hindurchgehen müssen, egal wie gross oder klein, Gott gross machen, ihn vertrauenswürdiger und erfüllender darstellen, für jeden der gesehen hat, wie wir mit dem Leid umgegangen sind.

 

Jemand hat es nötig zu sehen, wie du gut du mit Jesus durch diese Leiden hindurchgehst. Menschen müssen dich sehen, wie du Gottes Verheissungen vertraust, seine Freundschaft bewahrst und seinen Namen ehrst, wenn das Leben um dich auseinanderfällt. Manche wissen nicht, wie fest sie dich leiden und durchhalten sehen müssen, weil ihr Leiden noch nicht gekommen ist. Aber ihr Leiden wird auch einmal kommen. Und wenn es kommt, werden sie sich an die Heiligen erinnern, die sie gesehen haben, wie gut sie mit ihrem Leiden umgegangen sind.

 


Dieser Artikel erschien am 3. Dezember 2019 bei Desiring God:

https://www.desiringgod.org/articles/someone-needs-to-see-you-suffer-well

Übersetzt mit freundlicher Genehmigung von Desiring God.