Jesus – unser Stellvertreter.

 Autor: Beat Tanner

 

 "Und er liess mich sehen den Hohepriester Jeschua, wie er vor dem Engel des HERRN stand, und der Satan stand zu seiner Rechten, um ihn zu verklagen. Und der Engel des HERRN sprach zu dem Satan: Der HERR schelte dich, du Satan! Ja, der HERR, der Jerusalem erwählt hat, schelte dich! Ist dieser nicht ein Brandscheit, das aus dem Feuer gerettet ist? Jeschua aber hatte unreine Kleider an und stand vor dem Engel, der anhob und sprach zu denen, die vor ihm standen: Tut die unreinen Kleider von ihm! Und er sprach zu ihm: Sieh her, ich nehme deine Sünde von dir und lasse dir Feierkleider anziehen. Und er sprach: Setzt ihm einen reinen Kopfbund auf das Haupt! Und sie setzten ihm einen reinen Kopfbund auf das Haupt und zogen ihm reine Kleider an, und der Engel des HERRN stand dabei." Sacharja 3, 1-5

 

 Gott liess den Propheten Sacharja eine eindrückliche Szene sehen, eine Szene, die sich vor dem Thron Gottes abspielt: Der Hohepriester Jeschua steht mit unreinen, das heisst mit von Sünde beschmutzen Kleidern vor dem Engel des Herrn. Der Ausdruck „Engel des Herrn“ ist im Alten Testament eine Bezeichnung für Jesus Christus. Zur Rechten Jeschuas steht Satan. Satan – der Ankläger, das bedeutet sein Name

– verklagt den Hohepriester Jeschua vor dem Thron Gottes.

 

Finden wir uns nicht selbst wieder in dieser Szene? Oft zu Recht, manchmal aber auch fälschlicherweise, klagen uns unser Gewissen, unsere Gedanken und Satan an. Solche Gedanken können uns martern und unseren Körper bis zur Erschöpfung entkräften. Ein lähmendes Gefühl von Angst, Verzweiflung, Sinn- und Hoffnungslosigkeit macht sich in uns breit. Wir sind wie erstarrt. Das schlechte Gewissen drückt uns mit aller Macht zu Boden. Das Gesetz fordert unbarmherzig seine Erfüllung. Kein noch so freundliches Wort, kein gutgemeinter Gedanke, kein ermutigender Bibelvers vermag auch nur das kleinste Licht in unserem Herzen zu entfachen… Die Last scheint zu schwer. Jedes Wort wird für uns zur Anklage, weil wir unseren eigenen Ansprüchen und Erwartungen und – in falscher Annahme – denen des Wortes Gottes nicht genügen können. Schuld, sündhafte Erwartungen an uns selber und Scham erdrücken uns.

 

Wir haben das Evangelium vergessen: Kinder Gottes dürfen auch in solchen Situationen vor dem Thron Gottes stehen und von Jesus selbst, unserem Stellvertreter, verteidigt und gerechtfertigt werden. Zwei Aspekte fallen in unserem Text des Propheten Sacharja besonders auf:

  • Der Hohepriester Jeschua sagt kein Wort und rührt sich nicht. Es ist keine Handlung des angeklagten Hohepriesters zu sehen oder auch nur ein Wort von ihm zu hören.
  • Der Engel des Herrn hingegen, Jesus selbst, handelt anstelle des Angeklagten; Jesus redet anstelle des Angeklagten: Jesus allein rechtfertigt uns.

Das Wort Gottes allein genügt

Der Engel des Herrn bringt den Ankläger zum Schweigen: Schweig, Satan. Es ist das Wort Gottes, vor dem Satan verstummen muss und das ihn zum Schweigen bringt. Luther sagt es eindrücklich in seinem Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“: Ein Wörtlein kann ihn fällen. Richtig: Nicht Menschenwort, sondern das Wort Gottes allein hat die Macht, dies zu tun. Darum schweigt auch der Hohepriester Jeschua. Denn er hat Satan nichts entgegenzusetzen. Wie sollte er auch? Und er muss auch nicht. Denn Jesus hat es bereits an unserer Stelle vollbracht!

 

Das Erlösungswerk Jesu allein genügt

Das ist aber nicht das Einzige, was Jesus für den mit Sünde beschmutzten Hohepriester tut. Er lässt die schmutzigen Kleider von Jeschua entfernen und lässt ihm Feierkleider anziehen (Jesaja 61, 10), wobei er ihm erklärt: „Sieh her, ich nehme deine Sünde von dir und lasse dir Feierkleider anziehen.“

 

Das Kleid, das Jeschua nun angezogen erhält, ist die Gerechtigkeit Jesu selbst (2. Korinther 5, 21). Bekleidet mit der Gerechtigkeit, die allein vor Gott gilt, ist der Hohepriester „in Christus“. „In Christus“ gibt es für ihn keine Anklage, keine Verurteilung und keine Strafe mehr (Römer 8, 1). Dasselbe gilt für uns als die erlösten Kinder Gottes.

 

Dann lässt der Engel des Herrn ihm noch einen Kopfbund anziehen, auf dessen goldenem Stirnband gestickt steht „Heilig dem Herrn“ (vgl.

2. Mose 28, 36f.). Heilig zu sein, bedeutet abgesondert zu sein, um dem einen Herrn und Erlöser zu dienen; nicht mehr der Sünde, sondern der Gerechtigkeit zu dienen.

 

Das ist Gnade

Der Hohepriester Jeschua hat keinen Finger gerührt und den Mund nicht aufgemacht. Nicht einmal zu Jesus aufgeblickt hat er. Jeschua hat einfach nichts gemacht. Und wenn er etwas gesagt oder getan hätte – es hätte ihm nichts geholfen. Denn zu seiner Rechtfertigung und Erlösung kann er nichts, aber auch gar nichts beitragen: Selbst der Glaube ist ihm durch die Gnade Gottes geschenkt worden.  

  • Jesu Worte allein genügen. Sie allein bringen die Anklage der Sünde, Satans und des Gesetzes zum Schweigen.
  • Das Erlösungswerk Jesu allein genügt. Jesu Blut reinigt uns von aller Ungerechtigkeit, und die stellvertretende Gerechtigkeit Christi, die uns bedeckt, genügt: Denn Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid.

Das ist Gnade!

 

Gebet

Herr Jesus,

Grosser Hohepriester,

Du hast einen neuen und lebendigen Weg eröffnet,

durch den eine gefallene Kreatur sich dir mit deiner Billigung nähern kann.

Hilf mir, über die Würde deiner Person,

die Vollkommenheit deines Opfers,

die Wirksamkeit deiner Fürsprache nachzudenken.

AMEN

 

 

Literatur:

  • Aebi, Ernst: Kurze Einführung in die Bibel. Bibellesebund
  • Bennet, Arthur: Gebet der Puritaner für besonderes Anlässe. 3L Verlag
  • Bunyan, John: Überreiche Gnade. Autobiografie von John Bunyan. 3L Verlag
  • Schirrmacher, Thomas: Christus im Alten Testament. Reformatorische Paperbacks
  • Stott, John: Das Kreuz. Zentrum des christlichen Glaubens. Francke-Verlag
  • Stott, John: Einführung ins Christentum. Brockhaus

 

Lieder:

  • Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (1700-1760): Christi Blut und Gerechtigkeit
  • Martin Luther (1483-1546): Ein feste Burg ist unser Gott